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Familie / Partnerschaft | 06.03.2010 16:41 Uhr

Klima-Computerspiele für Kinder

Zwei Kinder sitzen vor einem Computer-Bildschirm © picture-alliance/ dpa Fotograf: Klaus Rose

Der siebenjährige Quentin ist ein erfahrener Testspieler. Drei Computer-Klimaspiele hat er ausprobiert und ist immer wieder bei seinem Favoriten gelandet: Panda Junior, dem Klassiker vom Umweltverband WWF. Bei Panda Junior schlüpft das Kind in die Rolle von Alex oder Emma, begleitet bedrohte Gorillas in ihre Bergregion und beschützt sie dort vor Wilderern. Außerdem müssen Brände gelöscht, Bäume gerodet und neu gepflanzt, Pipelines repariert, Löwen befreit sowie Fallen entfernt werden. Langweilig wird das Spiel, das etwa zehn Euro kostet, nicht.

Schnell beiseitegelegt hat Quentin hingegen das neue Klima-Spiel des Versandhandels Jakoo für 15 Euro. Die Klima- und Umwelt-Software von Jakoo ist sehr informativ, aber nicht spannend. So wird mit reichlich Text erklärt, wie eine Kläranlage funktioniert. Selbst gestalten kann das Kind dabei nicht viel. Quentins Aufmerksamkeit für das Spiel reichte nur 20 Minuten. Das Hineinschlüpfen in die Rolle des kleinen Alex als Pfadfinder und Umweltschützer funktioniert da deutlich besser. Quentins Erfahrungen decken sich auch mit denen von Klaus Eisenack, Professor für Umweltökonomie an der Universität Oldenburg. Ein Klimaspiel für Grundschüler dürfe nicht zu abstrakte Sachverhalte behandeln. Außerdem hätten Kinder in diesem Alter ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsgefühl. Über diese Motivation lasse sich ein guter Einstieg finden.                            

Strategisches Geschick gefragt

Eisenack hat im Auftrag des Bundesumweltministeriums das Klimaspiel "Keep cool" mitentwickelt, das sich an deutlich ältere Schüler ab zwölf Jahren richtet. Bisher gab es das Spiel nur als Brettspiel, jetzt aber auch kostenlos im Internet. Mehrere Spieler können an ihren Computern mitspielen und gemeinsam im Stil von Monopoly eine internationale Klimakonferenz wie in Kopenhagen führen. Dabei geht es immer wieder um den Grundkonflikt Wirtschaft gegen Umwelt. Jeder kann in umweltschädliche oder umweltfreundliche Fabriken investieren, muss dabei aber mit seinem Budget auskommen. Während Umweltspiele der 70er- und 80er-Jahre immer an das Umweltbewusstsein appellierten, steht bei "Keep cool" strategisches Geschick im Vordergrund. Das macht für den Umweltökonomen den neuen Trend dieser Spielerichtung aus.  

Mädchen im Spiel engagierter

Lehrer können für ihre Klassen über die Bundesinitiative "Schulen ans Netz" Unterrichtsmaterialien bestellen und das Spiel in eine Unterrichtseinheit "Klimaschutz" einbauen. Die Nachfrage ist groß. Die besten Erfahrungen haben die Spieleentwickler mit Mittelstufen-Klassen gesammelt. Nach einer wissenschaftlichen Studie des Potsdamer Instituts für Klimaforschung kommt das Spiel sehr gut bei dieser Altersgruppe an, sowohl bei Mädchen als auch bei Jungen. Mädchen gehen nach den Erfahrungen der Wissenschaftler bei "Keep cool" stärker mit. Damit bestätigt sich zumindest bei diesem Spiel nicht das gängige Vorurteil, dass Mädchen erstens weniger mit Computerspielen anfangen können und zweitens strategische Spiele nicht mögen.

Autor: Verena Gonsch

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