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Kommentare | 10.03.2010 17:08 Uhr

Usedom hui - Westharz pfui?

Ein Kommentar von Dagmar Pepping

St. Peter-Ording oder Marbella? Rügen oder Kreta? Brocken oder Südtirol? Immer mehr Deutsche beantworten diese Frage mit St. Peter-Ording, Rügen oder Brocken. Urlaub im eigenen Land ist wieder angesagt. Das hat zum einen finanzielle Gründe. In Zeiten der Wirtschaftskrise sitzt bei vielen Bürgern das Geld nicht mehr so locker: Wenn überhaupt Urlaub, dann lieber vor der Haustür statt eine teure Fernreise. Zudem erkennen immer mehr Deutsche, wie attraktiv ihr Heimatland ist.

Dritter Rekord in Folge im Nordosten 

November auf Usedom. Foto: Dorothee Faehnrich, Neubrandenburg. © NDR Fotograf: Dorothee Faehnrich

Nehmen wir das Beispiel Mecklenburg-Vorpommern. Die Kaiserbäder auf Usedom, der Müritz-Nationalpark, die historische Hansestadt Wismar - keines der norddeutschen Bundesländer hat vom Tourismus so profitiert wie der Nordosten. Die Zahlen sind beeindruckend: 28 Millionen Übernachtungen im vergangenen Jahr bedeuten den dritten Rekord in Folge. Dieser Erfolg liegt nicht nur an der Landschaft zwischen Ostseeküste und Seenplatte.  In einer immer älter werdenden Gesellschaft hat Mecklenburg-Vorpommern geschickt auf die Wachstumsbranche schlechthin gesetzt: Gesundheit, Heilbäder, Rehakliniken, Wellnesshotels  - schon jetzt arbeiten 86.000 Menschen im Nordosten im Bereich der Gesundheitswirtschaft. Zum Vergleich: Im Schiffbau und seinen Zulieferbetrieben sind im traditionellen Werftenland nur noch 14.000 Menschen beschäftigt. Zudem haben Investoren seit dem Mauerfall Hotels, Pensionen und Strandpromenaden renoviert, modernisiert oder gleich neu hochgezogen. Ein modernes Marketingkonzept tat sein Übriges zum Erfolg des selbsternannten "Urlaubs- und Gesundheitslandes Nummer 1".  

Röhrende Hirsche an der Wand und schlechter Service im Westen

So frisch und attraktiv sich Mecklenburg-Vorpommern vielerorts präsentiert, so trist und altbacken sehen oft Urlaubsquartiere in Schleswig-Holstein oder Niedersachsen aus. Gelsenkirchener Barock und röhrender Hirsch an der Wand, schlechter Service und unflexible Angebote, die insbesondere Kurzurlauber und junge Kunden abschrecken - die zuständigen Ministerien und Tourismusagenturen haben das Imageproblem vieler Orte zwischen Büsum und Braunlage erkannt und versuchen dagegen zu steuern.   

Die Landesregierungen in Niedersachsen und Schleswig-Holstein setzen bei der Förderung vor allem auf den Wachstumsmotor Kur- und Gesundheitstourismus. Mecklenburg-Vorpommern lässt grüßen! Schleswig-Holstein will zudem drei besondere Zielgruppen verstärkt ins Land locken: Familien, die sogenannten best ager im Alter von 56 bis 75 und die sogenannten anspruchsvollen Genießer. Damit meinen Marketingexperten übrigens zahlungskräftige Singles über 40 und kinderlose Paare, die nicht so auf den Euro achten müssen wie andere Urlauber.

Für den Harz gibt es Hoffnung 

Moderne Quartiere, flexible Angebote, guter Service - wer das nicht bietet, den bestraft der Kunde. Diese bittere Erfahrung hat in den vergangenen Jahren auch der Harz gemacht, für viele Bundesbürger ein Inbegriff für den angestaubten Charme der 70er-Jahre. Aber auch für den Harz gibt es Hoffnung. Erstmals seit der Jahrtausendwende hat der Tourismus dort im vergangenen Jahr wieder zugelegt - die Zahl der Übernachtungen stieg immerhin um 1,5 Prozentpunkte. Das sollte Ansporn für die Zukunft sein!

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