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Porträt des Milliardärs Carlos Slim

Carlos Slim: Ein guter Riecher und eine warme Hand

Er hat bereits mit 17 seine erste Million gemacht, nun ist er der reichste Mann der Welt. Ein guter Riecher für Geschäfte und eine warme Hand für Politiker - das gehört zu seinem Erfolgsrezept. Aber Slim engagiert sich auch für Kinder, verteilt Früchte aus seinem Obstgarten des Reichtums.

Von Michael Castritius, ARD-Hörfunkstudio Mexiko

Wenn jemand in Mexiko telefoniert, klingelt bei Carlos Slim die Kasse. Ersteht man einen Blumenstrauß und ein Buch als Geschenke in der Sanborns-Kette, verdient der Milliardär ebenfalls mit. Fast egal, wo oder was man in Mexiko einkauft - der gerade 70 Jahre alt gewordene Tycoon kassiert. Ihm gehören Industriebetriebe, Banken, Versicherungen, Immobilien, Bergwerke, Hotels. Weit über ein Drittel der an der mexikanischen Börse notierten Firmen gehorchen ihm oder seinen Söhnen.

Carlos Slim hat gut lachen. Falschmeldungen, er sei der reichste Mann der Welt, hatte es schon vor drei Jahren gegeben, jetzt ist er es wirklich. Über 53,5 Milliarden Dollar, knapp 40 Milliarden Euro, soll er verfügen, wie die Forbes-Experten errechnet haben. Und das in einem Land wie Mexiko, in dem fast 40 Prozent der Menschen in Armut leben, maximal zwei Dollar haben sie täglich zur Verfügung.

Die erste Million mit nur 17 Jahren

Seine erste Million hatte der Zahlen-Fetischist Slim bereits mit 17 Jahren gemacht: durch geschickte Börsengeschäfte. Mit dem Geld kaufte er vor allem marode Betriebe ein, möbelte sie auf - und verkaufte mit Gewinn. Ein guter Riecher für Geschäfte und eine warme Hand für Politiker gelten als sein Erfolgsrezept.

Der Aufstieg in die Weltliga der Reichen begann 1990. Der damalige mexikanische Präsident Carlos Salinas privatisierte die staatliche Telefongesellschaft und vermachte sie - als Monopol - seinem Duz-Freund Carlos Slim. Für gerade einmal 1,8 Milliarden Dollar. Ein lächerlicher Betrag, meinten schon damals Experten, die den Wert der Telmex auf mehr als das Zehnfache veranschlagten. Slim wurde zum Mister Monopoly, erfolgreich verhinderte er immer wieder Konkurrenz im Telefonsektor - mal juristisch, mal durch seine Kontakte in die Politik.

Noch heute kontrollieren die Telmex und deren Mobilfunk-Tochter 90 Prozent des Marktes. Lateinamerikaweit hat America Movil etwa 150 Millionen Handys unters Volk gebracht. Im vergangenen Jahr gewannen die America Movil Aktien 56 Prozent an Wert, Slims Vermögen stieg um 18,5 Milliarden Dollar - das brachte den Sprung auf Platz Eins der Forbes-Liste.

Soziales Engagement

Erst seit dem Tod seiner Frau 1999 und seiner schweren Herzerkrankung wenig später hat der Monopolkapitalist seinem Leben eine weitere Facette hinzugefügt: das soziale Engagement. Der Unternehmer habe "eine Verantwortung für sein Land jenseits seiner wirtschaftlichen Aktivitäten", meint Slim. Daher sollten "die Erfahrungen als Unternehmer in der Menschenführung und im Kostenbewusstsein für die Lösung sozialer Probleme eingesetzt werden".

Besonders Kinder liegen dem sechsfachen Vater am Herzen. Der Stiftung ALAS etwa, die sich vor allem für Bildung einsetzt, hat Slim weit über 100 Millionen Dollar gespendet. Mit dem Popstar Shakira gehört er zu den ALAS-Gründern. "Mein Freund Carlos Slim ist wirklich etwas Besonderes für mich", betont Shakira. Carlos habe "an jeder Sitzung von ALAS teilgenommen, war an jeder Entscheidung beteiligt". Er sei ein Mensch, der "sich Lateinamerika und vor allem den Kindern unglaublich verpflichtet fühlt", sagt Shaikira. Slim habe "ein riesiges Herz und ist jemand, für den ich viel empfinde".

Der Reichtum als Obstgarten

Kritiker sagen allerdings, Slim verteile ja nur einen minimalen Prozentsatz des Geldes, das er den Leuten vorher aus der Tasche gezogen hat. Seine Telefontarife in Mexiko etwa sind die höchsten aller OECD-Staaten. "Reichtum", kontert Mister Monopoly, "ist doch wie ein Obstgarten. Du teilst einige Früchte, aber nicht den Garten." Sonst wäre er ja auch nicht - sozusagen - der reichste Gärtner der Welt.

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