Soziale Netzwerke können Firmen gefährden
Sogenannte soziale Netzwerke sind gerade aus dem Alltag von Jugendlichen kaum mehr wegzudenken: Sie verschicken Nachrichten über Twitter, pflegen Freundschaften über Facebook oder verabreden sich über StudiVZ. Und dieser Trend geht auch an Unternehmen nicht vorbei: Immer mehr Firmen mischen mittlerweile in sozialen Netzwerken mit. Allerdings hat Kathrin Drehkopf herausgefunden, dass diese Entwicklung auch Nachteile mit sich bringt.

"Wir möchten gerne mit unseren Kunden, aber auch mit potentiellen Bewerbern in den Dialog gehen. Heutzutage ist Kommunikation keine Einbahnstraße mehr, sondern es ist eher ein vernetztes Miteinander. Und genau dazu bieten die neuen Medien eine sehr gute Gelegenheit". Sabine Josch weiß, wovon sie spricht: Sie ist Leiterin für die interne und externe Kommunikation bei der Otto Group. Vor gut zwei Jahren hat das Versandhaus soziale Netzwerke für sich entdeckt und ist auf Twitter und Facebook aktiv. Sieben Mitarbeiter im Unternehmen posten über die aktuelle Mode-Kollektion oder nehmen per Kurznachricht Beschwerden von Kunden entgegen, wenn die Lieferung noch nicht da ist. Alleine über Twitter erreicht die Otto Group momentan mehr als 10.000 Leser.
Aber auch bei der Suche nach neuen Mitarbeitern nutzt der Konzern Social Networks, sagt Sabine Josch: "Da gibt es eine Facebook Fanpage zum Thema 'Karriere machen bei Otto'. Es gibt dort auch eine Applikation, die sie sich hochladen können: 'jobs for friends', worüber sie Freunde werben können. Da haben wir schon mehr als 800 Fans."
Jüngere Zielgruppen erreichen
Nicht nur die Otto-Group nutzt die neuen Online-Plattformen: Die Lufthansa informiert via Twitter über Flugangebote, und Beiersdorf hat für den Verkaufsschlager Nivea eine eigene Facebook-Seite eingerichtet. Damit wollen die Unternehmen vor allem eine jüngere Zielgruppe erreichen: eine Generation, die mit dem Internet aufgewachsen ist und soziale Netzwerke selbstverständlich im Alltag nutzt, sagt Jan Hinrik Schmidt vom Hans-Bredow-Institut für Medienforschung: "Die meisten sind eben seit der Kindheit, seit dem Teenageralter daran gewöhnt, sich mit Freunden und Bekannten über das Internet auszutauschen, als zentrale Drehscheibe der Kommunikation in dieser Altersgruppe".
Professionelle Kommunikation erforderlich
Genau deshalb können Facebook, Twitter und Co. für Unternehmen aber auch zum Problem werden, so das Ergebnis einer Studie der Unternehmensberatung Accenture. Demnach kommunizieren knapp 40 Prozent der 18 bis 27-Jährigen mit Kollegen und Kunden über Social Networks. Die Schwelle, dass heikle Informationen in die Öffentlichkeit dringen, sei hier geringer, sagt IT-Analyst Thomas Maier von der Deutschen Bank: "Es gibt vertrauliche Informationen, die nicht ohne Weiteres in öffentlich zugängliche Netzwerke eingestellt werden dürfen. Ich glaube, das Entscheidende ist, dass man die Mitarbeiter an dieser Stelle aufklärt, und ihnen sagt, wie wichtig es ist, hier eine professionelle Kommunikation aufrecht zu erhalten und verhindert, dass Mitarbeiter auch aus Unwissenheit oder Gedankenlosigkeit vertrauliche Informationen online stellen". Denn das kann nicht nur einen Kommunikationsgau für das Unternehmen bedeuten, sondern auch arbeitsrechtliche Folgen haben. Im schlimmsten Fall droht eine Abmahnung oder sogar eine Kündigung.
Deshalb raten Experten Firmen, unbedingt Richtlinien für die Nutzung von sozialen Netzwerken aufzustellen. Daimler oder SAP haben das bereits gemacht. Und auch die Otto Group hat einen Leitfaden für die Mitarbeiter erarbeitet, sagt Sprecherin Sabine Josch: "Da sind auch Dinge angesprochen, dass der Mitarbeiter auch das Recht dazu hat, sich sowohl positiv als auch negativ über das Unternehmen zu äußern. Wichtig ist nur, dass man an dieser Stelle deutlich macht, dass das eine persönliche Äußerung ist". Schließlich müssen auch die Unternehmen eines beachten: Die Meinungsfreiheit ihrer Mitarbeiter nicht zu verletzen.



