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Buch-Tipp | 08.03.2010 10:56 Uhr

Amok: Ursachen erkennen - Wagnsignale verstehen - Katastrophen verhindern

Vorgestellt von Joachim Hagen

Cover: Amok © Gütersloher Verlagshaus

Bad Reichenhall, Erfurt, Winnenden - diese Namen stehen für Amokläufe an Schulen. In Winnenden wurden vor einem Jahr 15 Menschen von einem 17 Jahre alten Schüler erschossen. Der Täter tötete sich anschließend selbst. Seitdem wurde viel über die Motive solcher Gewalttäter gerätselt. Die Kriminologin Britta Bannenberg hat jetzt ein Buch über die Ursachen solcher Amokläufe an Schulen geschrieben. Darin gibt sie auch Hinweise, wie solche Gewalttaten in Zukunft verhindert werden können.

Warnhinweise erkennen und beachten

Amoklauf ist eigentlich die falsche Bezeichnung für das, was an den Schulen in Bad Reichenhall, Erfurt und Winnenden passiert ist. Ein Amoklauf ist eine Gewalttat ohne Vorzeichen, wie aus dem Nichts. Das ist bei den sogenannten Schul-Amok-Läufen aber nicht der Fall. Es gab immer Warnhinweise, die allerdings nicht beachtet wurden. Das sei eines der Ergebnisse ihrer Forschung, sagt Britta Bannenberg. Und diese  Warnhinweise zu erkennen, sei gar nicht so schwierig:

"Es geht darum zu sehen, dass ein ängstlicher, sozial zurückgezogener Jugendlicher sich mit Waffen beschäftigt, auf einmal Attentate gut heißt, vielleicht auch durch Kritzeleien in seinen Schulheften zum Ausdruck bringt, dass er solche aggressiven Gedanken hat (...), die man nicht so leicht einschätzen kann. Und wo das Verhalten schwer zu durchschauen ist und einem Angst macht." 

Kein Etikett für sozial auffällige Jugendliche

Bannenberg warnt allerdings davor, jedem Jugendlichen, der sozial auffällig ist, das Etikett "möglicher Amokläufer" umzuhängen. Schüler greifen nur extrem selten zur Waffe. Statistisch gesehen kommt es in ganz Deutschland einmal pro Jahr zu einem Amoklauf an einer Schule. Es sei allerdings auffällig, sagt Bannenberg, dass es sich immer um männliche Jugendliche handelte und dass sie relativ leicht an Waffen herankamen:

"Diese Waffen stammten aus dem Haushalt, genauer gesagt aus dem Waffenschrank des Vaters. Das ist natürlich ein starker Risikofaktor gewesen, weil die Jungendliche auf diese Waffen zugreifen konnten. Sie waren nie so gesichert, dass die Jungen nicht hätten daran kommen können. Und es war auch ein weiterer Aspekt zu betrachten: Wenn diese Väter überhaupt etwas mit ihren Jungen unternahmen, dann war es die Beschäftigung mit Waffen."  

Was getan werden kann

Britta Bannenberg ist Professorin für Kriminologie an der Universität Gießen. Seit Jahren erforscht sie die Vorgeschichte von Amokläufen an Schulen. Sie ist überzeugt: Wenn man die Hinweise verstanden hätte, wären die Gewalttaten zu verhindern gewesen. Manchmal merkt man dem Buch den Wissenschaftlichen Hintergrund an. Da ist von Viktiminologie oder devianten Kindern die Rede. Aber generell gilt: Die Sprache ist verständlich. Lehrer, Eltern Mitschüler und Polizisten erhalten konkrete Hinweise, wie sie sich in bestimmten Situationen verhalten sollen:

"Was ist zu tun, wenn ein Schüler wütend androht, er werde morgen den Lehrer erschießen? Grundsätzlich kann geraten werden, das Gespräch intensiv zu suchen und den Jungen mit den Äußerungen zu konfrontieren. Werden dabei Angst und soziale Isolation des Jungen deutlich, kann überlegt werden, ob pädagogische Maßnahmen wie Betreuung, Gespräche, Schutz ausreichend erscheinen. (...) Helfen die pädagogischen Bemühungen nicht, weil sich der Junge entzieht, ein Gespräch verweigert oder in Trotzhaltung verharrt und sind auch die Eltern nicht unterstützend, kann nur geraten werden, bei Besorgnis die Polizei zu informieren."

Eine Mauer des Schweigens

Mit ihrem Buch will Britta Bannenberg auch den Opfern und Angehörigen eines Schul-Amoklaufes helfen, die Tat zu bewältigen. Eines der größten Probleme sei, die Mauer des Schweigens zu durchbrechen: "Das Schweigen ist ganz furchtbar, weil die Opfer und die Eltern von getöteten Kindern das Gefühl haben, sie werden gemieden. Sie werden von Nachbarn gemieden, von Bekannten nicht mehr angerufen,,als hätten sie eine ansteckende Krankheit, so hat es eine Mutter gesagt. Und das ist der ganz falsche Weg."

Amok: Ursachen erkennen - Wagnsignale verstehen - Katastrophen verhindern

Britta Bannenberg

208 Seiten / 17,95 €

ISBN: 3579068733

Gütersloher Verlagshaus

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